Marcel Peters

Was ich beim Schreiben meines ersten Buches gelernt habe

Veröffentlicht am 27. Oktober 2017

Dieses Jahr habe ich mit „Progressive Web Apps: Der Sprung ins nächste App-Zeitalter“ mein erstes Sachbuch geschrieben und veröffentlicht. Seit drei Monaten ist es nun bei Amazon erhältlich. Zeit für einen Rückblick.

Die Entscheidung dieses Buch zu schreiben fiel Ende Februar 2017. Ich stürzte mich sofort ins Abenteuer und schrieb hochmotiviert das Konzept und die ersten Seiten. Nicht einmal fünf Monate später war die finale Version fertig und bereit für die Veröffentlichung. Dazwischen lagen viele Erkenntnisse, eine Prise Frustration, aber auch ein wenig Stolz. Darüber möchte ich nun berichten.

Buchcover

Als Letzter starten, als Erster ins Ziel kommen

Die Idee ein Buch über Progressive Web Apps zu schreiben entstand bereits im Frühjahr 2016. Eine schnelle Recherche ergab, dass noch keine Bücher zu diesem Thema erschienen sind. Doch die beiden namhaften Verlage Manning und O'Reilly Media kündigten bereits Veröffentlichungen für Ende des Jahres an. Schnell war die Idee also wieder begraben.

Erst fast ein Jahr später schaute ich erneut nach. Zu meiner Überraschung wurden die Veröffentlichungen auf den Hochsommer 2017 verschoben und es folgten weitere Verschiebungen. Letztendlich konnte ich mein Buch sogar vor allen anderen veröffentlichen. Das zeigt mal wieder: Auch wenn man als Letzter startet, kann man als Erster ans Ziel kommen.

Ein gut ausgearbeitetes Konzept ist Gold wert

Mit dem Schreiben von Büchern hatte ich keine Erfahrung. Mir war allerdings klar, dass ich irgendeine Form von Konzept brauche. Ich schrieb mir also grob die Inhalte auf die ich vermitteln wollte und überlegte mir praktische Beispiele. Am Ende entstand dabei ein detailliertes Skelett von Kapiteln.

Ich glaube tatsächlich, dass ich diesem Skelett viel zu verdanken habe. Auch wenn es mal nicht so gut lief, war immer klar wo ich gerade stehe und wie es weiter geht. Manchmal hat sich eine richtige Vorfreude auf das nächste Kapitel eingestellt. Der Fortschritt war jederzeit messbar und hat gerade am Ende für die nötige Motivation gesorgt. Ohne Konzept wäre dieses Projekt irgendwann in der Schublade verschwunden, davon bin ich überzeugt.

Viel Zeit für die Formatierung einplanen

Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Das Thema Formatierung war so ziemlich die Hauptquelle für meine Frustration bei diesem ansonsten sehr spaßigen Buchprojekt.

Das Unheil nahm seinen Lauf mit der Entscheidung das Buch in LaTeX zu schreiben. Alle professionellen Autoren schreiben ihre Bücher in LaTeX, so mein Gedankengang. Jedenfalls installierte ich Texmaker und lernte eigens für das Buch LaTeX. Nach ein bisschen rumprobieren lief dann alles wie gewünscht und ich konnte richtig schicke PDFs erzeugen.

Einige Wochen vor der Fertigstellung fing ich an mich näher mit Kindle Direct Publishing zu beschäftigen. Schnell stellte sich heraus, dass das LaTeX-Format nicht unterstützt wird und auch ein PDF mich nicht weiterbringt. Das Taschenbuch sah ganz passabel aus, doch das E-Book war unbrauchbar. Diese werden in einem Format gespeichert, welches eine dynamische Anpassung des Textes an verschiedene Größen und Auflösungen ermöglicht, im Fall von Amazon das auf MOBI basierende AZW-Format. Entsprechend konvertiert Amazon das hochgeladene PDF ins Zielformat, was offensichtlich nicht so gut funktioniert. Um die investierte Arbeit zu retten, versuchte ich aus LaTeX erfolgversprechendere Formate wie EPUB oder Word zu erzeugen, mit bescheidenem Erfolg.

Es musste also eine Alternative her, ein anderes Format, das sowohl als Quelle für das Taschenbuch als auch für das E-Book dienen konnte. Ich probierte so ziemlich alles aus, was mir in die Finger kam: AsciiDoc, pures HTML, Google Docs, Markdown und noch vieles mehr. Die Ergebnisse waren noch immer recht bescheiden. In einem Akt der Verzweiflung probierte ich es letztendlich mit einem Word-Dokument. Und es funktionierte erstaunlich gut! Und ich fragte mich: Ist das wie man heute professionell Bücher schreibt? Ich fürchte, ja.

Jedenfalls übertrug ich alles von LaTeX in ein Word-Dokument und war vorerst glücklich. Doch weitere Probleme offenbarten sich als die finale Fassung fertig war und ich diese veröffentlichen wollte. Ich will hier auch gar nicht alle aufzählen, das wäre Stoff für ein eigenes Buch. Man sollte nur im Hinterkopf behalten, dass die Arbeit mit dem Schreiben des Inhalts noch nicht getan ist. Den Aufwand für die Formatierung hatte ich ziemlich unterschätzt.

Die Kunden wollen Papier

Ich war noch nie ein Freund von E-Books. Ein gedrucktes Buch fühlt sich einfach besser an und ist bequemer in der Handhabung. Man kann schnell hin und her blättern, interessante Stellen markieren oder es einem Kollegen ausleihen.

Und ich scheine mit dieser Meinung nicht alleine zu sein. Obwohl das Taschenbuch fast doppelt so teuer ist wie die Kindle Edition, verkaufe ich davon trotzdem doppelt so viele Exemplare. Die Kunden bevorzugen noch immer Papier.

Eine weitere interessante Erfahrung war es, das gedruckte Buch zum ersten Mal in der Hand zu halten. Dieses hielt einige Überraschungen bereit. Während in der Vorschau von Kindle Direct Publishing die Welt noch in Ordnung schien, war die Schrift nun viel zu groß und die Ränder waren winzig. Es sah jedenfalls nicht professionell aus und in der Zwischenzeit wurden sogar schon einige Exemplare an richtige Kunden verkauft. Ich konnte das Problem auch schnell beheben aber ein bisschen peinlich war mir das schon.

Jeder kann Verleger werden

Soll ich das Buch im Selbstverlag veröffentlichten oder mir einen Verlag suchen? Diese Frage habe ich mir schon sehr früh gestellt. Für einen Verlag spricht die höhere Reichweite durch den Sortimentsbuchhandel und dass man sich nicht selbst um das Marketing kümmern muss. Andererseits gibt es viele Berichte von Autoren die unzufrieden mit der Arbeit ihres Verlages sind und die Vergütung ist auch recht mager.

Ich entschied mich für die Veröffentlichung im Selbstverlag, denn schließlich war das ein Hobbyprojekt und ich wollte mich nicht nebenbei noch mit den Abstimmungen und Verpflichtungen belasten, die so ein Verlag mit sich bringen würde. Allein der Bewerbungsprozess der meisten Verlage wirkte schon abschreckend. Wahrscheinlich ist das auch so gewollt.

Meine erste Wahl fiel auf Kindle Direct Publishing, die Self-Publishing-Plattform von Amazon. Neben dem hohen Marktanteil überzeugte mich die Möglichkeit das Buch auch als Taschenbuch zu veröffentlichen. Man lädt das fertige Manuskript hoch und Amazon kümmert sich um die Bestellungen, Druck und Versand. Auch für eine ISBN wird gesorgt und der ganze Prozess der Veröffentlichung ist recht intuitiv und idiotensicher. Mir kam das schon fast ein wenig zu einfach vor.

Vor ein paar Tagen habe ich mein Buch zusätzlich über tolino media (Hubendubel, Thalia usw.) veröffentlicht, der anderen großen Self-Publishing-Plattform in Deutschland. Es lief alles problemlos, bis auf ein paar kryptische Fehlermeldungen beim Hochladen des Manuskripts.

Auch eine Gewerbe muss angemeldet werden, denn hinter einer Buchveröffentlichung steckt natürlich eine Gewinnabsicht. Den Antrag kann man in Hessen aber zum Glück im Internet stellen. Das war dann schnell erledigt.

Reich werden geht anders

Über die potentiellen Verkaufszahlen und Einnahmen hatte ich mich bereits informiert, bevor ich mit dem Schreiben begonnen habe. Mir war daher von vornherein klar, dass sich der Aufwand monetär nicht auszahlen wird. Selbst von den erfolgreichsten Büchern im IT-Bereich werden nur wenige tausend Exemplare verkauft. Wenn ein großer Verlag dahinter steht, erhält der Autor in der Regel einen Vorschuss und wird an den Verkäufen beteiligt. Im Schnitt scheint diese Beteiligung bei einem Euro pro Exemplar zu liegen. Im Selbstverlag kann das ein Vielfaches sein, allerdings gibt es dann natürlich keinen Vorschuss und Reichweite ist geringer.

Nicht zu unterschätzen sind die Druckkosten. Für das Taschenbuch betragen diese fast 7 Euro. Der größte Kostenfaktor ist dabei nicht die Seitenzahl, sondern der Farbdruck. Das Taschenbuch muss ich daher fast doppelt so teuer anbieten wie die Kindle Edition und mein Gewinn ist dennoch um zwei Dritteln geringer.

Trotz realistischer Erwartungen war ich am Anfang doch recht enttäuscht. Es gab keine Vorbestellungen und im ersten Monat habe ich nur wenige Exemplare verkauft. Doch mit der Zeit und den ersten positiven Bewertungen zogen die Verkäufe an. Mittlerweile wird so gut wie jeden Tag mindestens ein Exemplar verkauft und am Ende des Monats freue ich mich über das kleine Sümmchen, dass dabei zusammen kommt.

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Insgesamt eine sehr interessante Erfahrung und das Schreiben hat durchaus Spaß gemacht. Ich habe viel gelernt und würde beim nächsten Mal ein paar Dinge anders angehen. Wer weiß, vielleicht kommt irgendwann das richtige Thema für ein zweites Buch.